Man muss loslassen können – auch den Lenker

Nein, das wird keine Geschichte über waghalsiges Freihändig-Fahren oder einen spektakulären Sturz. Vielmehr soll es darum gehen, zu erkennen, wann genug ist.
Aber der Reihe nach. Der Wetterbericht sagte Regen, Regen, Regen voraus. Und in den frühen Morgenstunden waren auch die ersten Tropfen auf dem Zeltdach zu hören. Um acht war ich mir sicher, ich werde einfach den ganzen Tag im Zelt verbringen. Lesestoff habe ich reichlich mit bei. John Steinbeck sei Dank. Und schließlich muss Reinhold Messner manchmal auch den ganzen Tag im Zelt bleiben, wenn er den Mount Everest besteigen will. Da sind dann auch noch minus 40 Grad und Schnee und Wind und all so’n Dreck. Also wird das in Bergen/Dumme bei ein wenig Regen auch funktionieren.

Mit diesem Gedanken dreht ich mich im Schlafsack noch einmal um und als ich das nächste Mal die Regentropfen auf dem Zelt vernahm, war es bereits zehn. Den Plan, den Donnerstag als Reinhold-Messner-Solidaritätstag zu feiern, hatte ich ad acta gelegt.

Also den ganzen nassen Kram einpacken, gleich die Regenklamotten überziehen und ab auf’s Rad. Der Campingplatz-Chef war leider nirgends zu sehen, so dass ich ohne Stempel im Credenzial auskommen musste. Die Dame im Pilgerbüro in Santiago wird es mir verzeihen.

Nach einem schnellen Kaffee in der örtlichen Bäckerei ab auf die niedersächsische Piste. Die paar Tropfen hatten sich inzwischen zu einem beständigen Nieselregen entwickelt, der vor allem dann Spaß macht, wenn man die Gischt entgegenkommender Lastwagen abbekommt.

Aber niemand hat gesagt, dass das hier ein Zuckerschlecken wird. Und selbst wenn, hätte er gelogen.

Die Namen der Ortschaften kann sich niemand merken. Meist heißen sie Borkel oder Borken oder Burken oder Burkel. Ich hatte mir schon am Morgen vorgenommen, höchstens, aber höchstens bis Celle zu fahren. In der kleinen Ortschaft Hagen, rund 20 km vor Celle, strahlte mich dann das große Schild eines Gasthauses an. Hier war ich richtig. Es waren zwar erst 46 km auf der Uhr, aber man muss auch loslassen können. Also den Lenker. Nach dem gestrigen Gewaltritt soll es denn auch genug sein.

Und so ein Zimmer hat ja auch den Vorteil, dass man die ganzen nassen Sachen ausbreiten und trocknen kann.

2 Kommentare zu „Man muss loslassen können – auch den Lenker

  1. Du Armer, ich hab bei dem Regen heute an dich gedacht. Ob er wohl an das Cape gedacht hat? 😉
    Gute Reise weiterhin, wir lesen fleißig mit und denken an dich.

    A.

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