Dämonen in Detmold

Die Beine laufen gut. Von Wietze über das Steinhuder Meer und das Weserbergland bin ich zunächst nach Lemgo gefahren. Der Plan war, bis Detmold zu kommen.

Ich gebe zu, von Detmold hatte ich bislang keine Vorstellung. Aber es wird mir in dauerhafter Erinnerung bleiben. Nicht wegen der einen oder anderen steilen Rampe, die es auf dem Weg dorthin zu erklimmen gab, nicht wegen der pittoresken Altstadt, die ich nicht gesehen habe, sondern wegen der Tatsache, dass in Detmold unheimliche Dinge vor sich gehen, über die bislang noch nie ein Mensch sprechen durfte.Angefangen hat alles in Lemgo als ich zum Handy griff und die Jugendherberge in Detmold anrief. Auf meine Frage, ob denn für heute Nacht noch ein Zimmer frei wäre, sagte mir der freundliche Mann an der Rezeption, dass jede Menge Zimmer frei seien, da alle Gäste heute abgereist seien und ich der Einzige heute Nacht wäre. Er würde allerdings gerne um 17 Uhr Feierabend machen, ob ich es denn bis dahin schaffen würde.

Das sollte kein Problem sein und kurz vor fünf war ich da. Schnell noch an der Rezeption Bier für heute Abend gekauft, das Fahrrad weggeschlossen und eingecheckt. Er würde dann jetzt gehen, sagte der nette Rezeptionist zu mir, während er mir zeigte, wie man die Alarmanlage scharf und wieder unscharf stellt. Ich sei dann heute Abend allein im Haus. Das Fahrrad war weggeschlossen und den Schlüssel hatte er. An Flucht war also nicht mehr zu denken.

Allein in einem Haus mit 185 Betten, Küche, Keller, Wirtschaftsräumen etc. Während der nette Mann mir mein Zimmer zeigte, fragte er mich noch, ob ich den Film „Shining“ gesehen hätte, und das war dann auch das letzte, was ich von ihm sah oder hörte.

Ich überlegte, in welchem der vielen Bäder ich duschen wollte. Und ob es vielleicht besser wäre, erst mal alle Duschen in allen Stockwerken zu kontrollieren, ob unter Umständen noch Blutanhaftungen an den Wänden zu sehen seien.

Beim Blick aus meinem Zimmer waren eigenartige Gebilde zu sehen, die einen übernatürlichen Eindruck machten. Von Menschenhand war das nicht geschaffen. Ausgiebig habe ich erst einmal Körperpflege betrieben. Man möchte Jack Nichelson ja nicht unrasiert gegenüber stehen. Meinen ursprünglichen Plan, abends noch in die Stadt zum Zwecke der Nahrungsaufnahme zu gehen, habe ich schnell verworfen. Ich wollte die Kontrolle über die Dinge haben, die in diesem Haus passieren. Zum Glück hat Detmold einen zuverlässigen Pizzadienst, der auch in die Jugendherberge liefert.

Doch wie das in verlassenen Häuser ist, machen alle Wände hier Geräusche. Wenn sich die Bewegungsmelder ein und ausschalten, knackt es unterm Dach. Überhaupt Bewegungsmelder: haben sich schon irgendwann einmal Geister und Irrsinnige im Blutrausch von Bewegungsmeldern beeindrucken lassen? Wahrscheinlich haben die Irren die Bewegungsmelder erfunden, um die Normalen in Sicherheit zu wiegen.

Ab und an fährt ein einsamer Radfahrer am Haus vorbei, aber ich bin mir sicher, das ein und der selbe Radfahrer jetzt bereits zum dritten Mal hier vorbei gekommen ist.

Ach ja, der Rezeptionist sagte mir noch, dass die Kaffeemaschine an sei. Ich könne so viel Kaffee trinken wie ich wollte. Ja Klasse, auf einen Latte mit Nichelson, das wollte ich schon immer.

4 Kommentare zu „Dämonen in Detmold

  1. Hallo Christian,
    verzeih – ich habe erst heute diesen Kurzkrimi weitergelesen. Du hast eine wunderschöne Art zu schreiben! Das machst du sicher nicht zum ersten Mal. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung, natürlich in der Hoffnung, dass du Dettmold überlebt hast.
    Ganz liebe Grüße aus Celle – und DANK für das Kompliment – katrin

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  2. Ich kann dir deinen Shining-Moment so gut nachfühlen! Ich hatte etwas ähnliches auf dem Mosel-Camino in Klausen. Auch da hatte ich die ganze Herberge für mich und bin dann tatsächlich nach dem Abendessen sicherheitshalber jede Etage einmal abgeschritten und habe immer unverhofft mit Affenzahn Türen aufgerissen. Habe niemanden gefunden. Als ich im Bett lag, habe ich mich dann kurz gefragt, ob „die anderen“ sich nicht einfach parallel zu mir bewegt haben… Ist ebenfalls glatt gegangen. Niemand kam. Aber ein bisschen scary war es dennoch…

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