Die Strategie muss geändert werden

Ein Pilger hat mit vielen Dingen zu kämpfen. Gestern, auf dem Weg zum Somport-Pass, dachte ich noch, Anstiege seien das Gemeinste, was die Welt zu bieten hat.

Heute auf dem Weg von Jaca nach Monreal habe ich gemerkt, dass die spanische Hitze auch nicht zu unterschätzen ist. Weiß man ja vorher, aber nimmt man wieder mal nicht so richtig ernst.
In Jaca um halb neun gestartet, liefen die ersten 20 Kilometer wie geschnitten Brot. Um halb zehn war ich in Punte la Reina de Jaca und gönnte mir einen Kaffee.

Punte la Reina de Jaca ist der Ort der falschen Entscheidungen. Vor zwölf Jahren, als wir zu Fuß unterwegs waren, hatten wir beschlossen, bis Artieda zu gehen. Details dazu könnt Ihr im Blog-Beitrag “ Der erste Engel des Weges“ lesen.

Also war heute Vorsicht angesagt. Ich wusste, in dem Café fühlt man sich wie Jung-Siegfried und überschätzt die eigenen Kräfte maßlos.

Aber was sollte schon schief gehen. Wenn ich gut drauf bin, schaffe ich es bis Punte la Reina (da sind zwei verschiedene Orte, Punte la Reina de Jaca und Punte la Reina, dazwischen liegen etwa 80 Kilometer). Aber es gibt ja noch Herbergen in Sanguessa, Izco und Monreal.

Sanguessa war eindeutig zu nah dran und hätte zudem einen Umweg mit unnötigen Steigungen bedeutet. Also einfach mal losfahren.

Dann wurde es Mittag. Die Sonne kam zentral von oben. An einer Raststätte tankte ich Cola. Ich trinke das Zeug sonst nie, aber beim Radfahren bin ich süchtig nach kalter Coca-Cola. Die Temperaturanzeige an der Raststelle zeigte 35 Grad im Schatten. Wobei mich interessieren würde, wo die das gemessen haben. Ich habe weit und breit keinen Schatten ausfindig machen können.

Noch drei Kilometer und ich war platt. An Punte als Reina – also weitere 40 Kilometer weiter – war überhaupt nicht mehr zu denken. All meine Gedanken drehten sich um Izco und die dortige Herberge.

Neben einem Kreisverkehr war ein kleiner Eichenhain, wo ich Pause machte. Da gab es Schatten. Und dann kam ich auf die beste Idee des Tages, nämlich meine Matte im Schatten auszurollen und einfach eine Stunde zu schlafen. Menschen, die mich schon länger, also quasi seit meiner Geburt kennen, wissen, dass ich schon immer bei jeder Gelegenheit und an jedem Ort schlafen konnte. Das hat seine Vorteile.

Heute hat es aber nicht geholfen. Ich fühlte mich zwar frisch, aber diese Frische war nach den ersten 500 Metern in der prallen Sonne wieder dahin. Izco war noch drei Kilometer entfernt. Und am Ortseingang war ein Brunnen. Denn das Wasser in meinen Flaschen hatte inzwischen die Temperatur, um Eier darin zu kochen. Brunnen leer getrunken. Aber: Herberge in Izco geschlossen. Noch acht Kilometer bis Monreal, wo ich dann abends um sechs angekommen bin.

Kann mir mal einer verraten, warum man das alles macht?

Wahrscheinlich wird einem das erst später klar.

Eines wollte ich hier aber noch unbedingt schreiben. Ich hätte es auch schon in Detmold oder am Steinhuder Meer schreiben können. Mit eines der schönsten Dinge beim Radfahren ist, wenn man nach einer Pause wieder den Radhelm aufsetzt. Nach längerer Pause OK, nach kurzer Pause ein Traum. Die Polsterung ist noch vom Schweiß nass und der ist aber inzwischen abgekühlt. Dieses nasse Ding an der Stirn, ist in den ersten Sekunden wie rohe Eidechsen essen oder Helene Fischer hören.

Aber jetzt dann doch noch zur Strategie. Entweder muss ich morgens früher losfahren, um spätestens um ein Uhr am Ziel zu sein oder ich muss kürzere Etappen planen oder ich muss eine ausgiebige Mittagspause von eins bis fünf machen. Alles andere geht nicht nur auf die Kräfte, sondern auch auf die Birne.

2 Kommentare zu „Die Strategie muss geändert werden

  1. Vorsicht, nach 5 Uhr nachmittags wird es nicht kühler, auch wenn die Siesta vorbei ist. Kühl wirds erst mitten in de Nacht. Also lieber früh aufstehn! Lg Gudrun

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