Von AKWs, güldenem Haar und kreischenden Mädchen

Zunächst die gute Nachricht: Die Frisur sitzt.

Auch nach einem verregneten Tag von Biblis in Richtung Speyer.Wem es übrigens noch nicht aufgefallen ist, in unmittelbarer Nähe deutscher Atomkraftwerke befinden sich immer Campingplätze. Nun glaube ich nicht, dass der Ausblick auf gigantische Kühltürme und kugelförmige Reaktoren ein attraktiver Standortvorteil ist. Eher wird es so sein, dass die Grundstücke dort besonders günstig sind. Und ehe man dort Kindergärten, Schulen oder Wöchnerinnenstationen baut, wird ein Campingplatz eröffnet. Positive Auswirkungen auf das Ladeverhalten meines iPhones hatte das aber in den vergangenen Tagen nicht.

Jetzt die schlechte Nachricht: Es gibt sie nicht. Das Knie macht keinerlei Probleme mehr und es geht gut voran. So gut, dass sogar die Zeit war, in Bonn auch mal am Zaun des ehemaligen Kanzleramtes zu rütteln.

Sie wollten mich aber nicht reinlassen und auch der alte Konrad hatte kein Einsehen.

Kurz vor Koblenz hat es dann noch einmal heftig im Knie gezwackt und dann war Ruhe. Als wenn Meniskus, Außen- und Innenband mit einem Sprung wieder dahin gehüpft wären, wo sie hingehören. Seitdem ist Ruhe im Knie.

Koblenz hat einen nagelneuen Campingplatz mit allem Komfort. Absolut erste Sahne. Und den Gang in den nahegelegenen Biergarten kann man mit einer kleinen Fähre über die Mosel abkürzen.
Die Strecke von Koblenz bis Bingen ist sicher eine der schönsten Radstrecken in Deutschland. Das mittlere Rheintal sieht aus, als habe es Märklin entworfen. Da stellt sich die Frage: Was war zuerst da? H0 oder die Loreley?

Inzwischen war es ein paar Tage richtig warm und bei der Fahrt auf dem Rheindamm südlich von Mainz gibt es kein Stück Schatten. Also ordentlich schwitzen. Und wie schon erwähnt, kam dann heute der Regen. Wasser von oben hat mich aber nicht davon abgehalten, mit einem entgegenkommenden Radfahrer aus Wales, der seit Basel unterwegs war, eine halbe Stunde im Regen zu erzählen. Cooler Typ, der richtig Spaß gemacht hat.

In Speyer habe ich dann beschlossen, dass für heute genug ist und die Jugendherberge aufgesucht. Vorher war ich aber noch im Dom und wollte einen Stempel für den Pilgerausweis. Man höre und staune. Sie schickten mich in das Büro des Weihbischofs und dessen Stempel ist jetzt im Credenzial. Also praktisch von allerhöchster Stelle.

Im gleichen Zeitraum, in dem eine Pilgerreise die Seele reinigt, verdreckt die Wäsche des Pilgerkameraden aber. Momentan bin ich wahrscheinlich nur mit einem Abstand von zwei Metern zu ertragen und die Vorfreude auf eine Waschmaschine ist groß.

Übrigens habe ich die Jugendherberge heute nicht für mich alleine. Es ist wohl die Woche der Klassenfahrten. Was mich wieder voller Erstaunen sehen lässt, dass die kleinen Racker zwar innerhalb von Sekunden eine Gruppe in WhatsApp einrichten können, die Benutzung einer Türklinke für sie aber eine technologische Herausforderung darstellt. Und vielleicht lesen hier ja Mediziner mit. Wie heißt eigentlich das Organ bei jungen Mädchen, das dieses urplötzliche, markerschütternde und zudem grundlose Kreischen verursacht? Und in welchem Alter bildet es sich zurück?

Soviel für heute. Es läuft. Morgen wird wohl der erste 1000er auf dem Kilometerzähler vollgemacht.

4 Kommentare zu „Von AKWs, güldenem Haar und kreischenden Mädchen

  1. … jetzt hab ich´s 🙂 du bist Buchautor, Journalist oder mindestens 1. Vorsitzender einer vhs-Schreibwerkstatt!

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  2. H Käptn, ich seh ja nicht viel von der Stadt hier, bin die ganze Zeit im Seminar tagsüber, aber es gibt eine Menge merkwürdiger Dinge hier in Kiev….. zu irre für einen Kommentar und auch bestimmt nicht passend. Das Wetter ist aber großartig und ich hoffe Du hast es auch gut auf deinen nächsten Etappen. Es geht ja immerhin in die Schweiz bald, oder? Ich halte dir die Daumen für gutes Wetter und flache Straßen. In Neuchatel war ich mal, das ist eine wirklich schöne kleine Stadt am See.

    Also dir einen guten Sonntag und lieben Grüße von Imke

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