Avignon ist ein Traum

Zunächst auf Wunsch zahlreicher Leser dieses Blogs eine Begrüßung auf Arabisch (bitte verzeiht, ich habe keine arabische Tastatur zur Verfügung, deshalb in lateinischen Buchstaben).

Achlan ua sachlan bikum. Ana fi Francia ua al madina Avignon dschaid dschiddan. (Dass mich das Integrationsministerium nicht behalten hat, ist eine andere Geschichte.)

So jetzt wieder für alle. Jeder, der noch nicht in Avignon war, hat etwas versäumt. Mein letzter Besuch hier liegt über 35 Jahre zurück und ich kann mich eigentlich an nichts mehr erinnern. Woran ich mich aber erinnere, ist dieses blöde Lied, das wir im Französichunterricht singen mussten. Da alles, was mit Schule zusammenhängt, bei mir ein unheilbares Trauma hinterlassen hat, war der Besuch dieser Brücke heute auch ein therapeutisches Ereignis. Ich habe dabei innerlich mit all meinen dummen Französischlehrerinnen und -lehrern aufgeräumt. Das hat richtig gut getan.

Alle fahren ständig nach Venedig, was ganz ohne Zweifel eine traumhafte Stadt ist, aber wer auf verwinkelte Gassen steht, kleine Bars und Restaurants liebt und sich einfach treiben lassen will, kann das hier auch haben.

Natürlich sind ein paar Touristen unterwegs und Chinesen lichten sich gegenseitig auf mit Lavendel bewachsenen Verkehrsinseln ab, aber es ist kein Vergleich zu dem Ansturm, der in Venedig herrscht.

Als Nachtrag zu mein letzten Beitrag sei noch gesagt, dass ich gut hier angekommen bin, aber genau in dem Moment ein heftiges Gewitter über der Stadt herrschte. Die höhere Macht hat also noch einmal sehr deutlich gemacht, was sie davon hält, wenn der Pilger betrügt. Aber heute morgen hatte sie dann doch ein Einsehen und es waren die südfranzösischen Temperaturen, die einen spätestens mittags um halb eins in ein schattiges Hotelzimmer trieben.

Ich bin ja nicht so der Kulturmensch. Also muss ich mir nicht den Papstpalast von innen anschauen, um zu wissen, welcher Gregor oder Konstantin da von wann bis wann gewohnt hat. Verbrecher waren sie ohnehin alle.

Lieber sitze ich vor dem Palast und schaue den Menschen zu, wie sie einfach ihr Leben genießen, wie sie sich verhalten, wie sie angezogen sind und genieße diese Parade menschlichen Verhaltens. Das könnte ich stundenlang machen. Wenn es dazu noch leckeren Kaffee gibt – und der ist hier wirklich sehr lecker – dann fehlt mir nichts.

Leider geht es morgen von hier wieder weg. Aber es erwarten mich Arles und das Mittelmeer. Es gibt schlimmere Optionen. Ein bisschen bange ist mir vor den Pyrenäen, aber ich habe in den vergangenen vier Wochen auch gelernt, dass es vollkommen sinnlos ist, sich vor Dingen zu fürchten oder Sorgen über Dinge zu machen, die weiter als 24 Stunden entfernt sind. Da fällt mir dann immer dieser schöne afrikanische Satz ein, der sinngemäß heißt: Ihr Europäer macht Euch ständig Gedanken über Dinge, die meistens nicht eintreten werden.

Insofern sollen die Pyrenäen doch kommen. Irgendwie werde ich schon rüberkommen.

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